
Rohbau
Wie wählen Sie Mauersteine und den passenden Wandaufbau?
Steinart, Mörtel und Wandaufbau planen: wie Kalksandstein nach DIN 20000-402 und Poroton T7-49,0-P nach Zulassung Z-17.21-1207 verglichen werden.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Einschalige Außenwände mit WDVS und zweischalige Wände mit Verblendschale sind vom rechnerischen Tauwassernachweis befreit. Eine Fußpunktabdichtung braucht nur die Verblendschale, der einschaligen Wand genügt am Sockel ein Spritzwasserschutz.
Steinarten und Bezeichnung nach DIN 20000-402
Bei Kalksandstein beginnt die Auswahl mit der Bezeichnung. Sie setzt sich aus Steinsorte, DIN-Hauptnummer, Steinart, Druckfestigkeitsklasse, Rohdichteklasse und Format zusammen; ab Format 4 DF kommt die Wanddicke hinzu. Ein Beispiel aus dem Planungshandbuch lautet KS L-R P 12 - 1,4 - 8 DF (240): Hohlblockstein mit Nut-Feder-System, Planstein, mindestens 12 N/mm², Rohdichte 1,21 bis 1,40 kg/dm³, 240 mm Wanddicke.
Wer diese Reihenfolge kennt, liest aus dem Lieferschein direkt die Einsatzgrenzen ab. Der Hersteller bestätigt mit der Bezeichnung nach DIN 20000-402, dass der CE-gekennzeichnete Stein in Deutschland verwendet werden darf. Eine zusätzliche Prüfung der Leistungserklärung entfällt damit für den Verwender. Die zugehörigen Bezeichnungen listet das Kalksandstein-Planungshandbuch, Kapitel 3 in Tafel 1 auf.
Mörtelwahl: Normalmauermörtel oder Dünnbett
Ob Dünnbettmörtel überhaupt in Frage kommt, entscheidet die deklarierte Abmaßklasse. Nach DIN 20000-402 muss sie für Dünnbettmörtel mindestens T3 betragen, für Normalmauermörtel mindestens T1. KS-Plansteine und KS-Planelemente sind genau wegen dieser engeren Toleranzen für das Dünnbettverfahren vorgesehen. Der KS L-R P ist ein Hohlblockstein mit Nut-Feder-System, sodass die Stoßfugen im Regelfall unvermörtelt bleiben.
Beim Poroton T7-49,0-P ist der Mörtel schon Teil des Systems: Der Dünnbettmörtel liegt laut Datenblatt im Lieferumfang und wird vollflächig deckelnd aufgetragen, die Stoßfuge bleibt unvermörtelt und verzahnt. Wer hier auf Normalmauermörtel ausweicht, verlässt das zugelassene System. Prüfen Sie deshalb vor der Ausschreibung, welche Steine welche Abmaßklasse tragen.
Ein zweiter Blick gilt den Druckfestigkeitsklassen. Kalksandsteine sind von 4 bis 60 genormt, marktüblich sind vor allem die Klassen 12 und 20. Für Dünnbettmörtel listet das Planungshandbuch charakteristische Mauerwerksdruckfestigkeiten von 5,0 bis 16,0 N/mm², je nach Steinart und Steindruckfestigkeitsklasse.
Verbände, Überbindemaß und Stoßfugen
Das Überbindemaß bestimmt, wie weit Steine zweier Schichten überlappen. Regelfall ist mindestens das 0,4-Fache der Steinhöhe. Bei KS XL mit 49,8 cm Schichthöhe darf das Maß nach DIN EN 1996/NA auf das 0,25-Fache reduziert werden, bei 62,3 cm auf das 0,2-Fache, jeweils mindestens 12,5 cm. Diese Reduzierung ist in der statischen Bemessung zu berücksichtigen und in den Ausführungsplänen anzugeben; Änderungen auf der Baustelle gehören mit dem Statiker abgestimmt.
Bei Nut-Feder-Systemen entfällt die Stoßfugenvermörtelung im Regelfall, weil die Stirnseiten formschlüssig ineinandergreifen. Das erleichtert den Verband und beschleunigt das Versetzen, ersetzt aber nicht das geplante Überbindemaß. Tafel 5 des Planungshandbuchs ordnet jeder Steinhöhe den Regelfall und das Mindestmaß zu.
| Anforderung | Passender Stein oder Aufbau | Normative Grundlage |
|---|---|---|
| Hohe Druckfestigkeit | KS mit Druckfestigkeitsklasse 12 oder 20 | DIN 20000-402 |
| Dünnbettverfahren | KS-Plansteine, Abmaßklasse mindestens T3 | DIN 20000-402 |
| Hoher Wärmeschutz monolithisch | Poroton T7-49,0-P, U 0,14 W/m²K | abZ Z-17.21-1207 |
| Frostbeanspruchung in der Sichtschale | KS-Verblender Vb, mindestens F2 | DIN 20000-402 |
| Schlagregen am Sockel | Spritzwasserschutz mit Gefälle vom Gebäude weg | DIN 4108-3 |
Einschalig mit WDVS oder zweischalig mit Verblendschale
Beide Konstruktionen sind von der Tauwassernachweis-Pflicht nach DIN 4108-3 befreit. Der Unterschied liegt darin, wie Regenwasser abgeführt wird. Eine Verblendschale ist ausdrücklich nicht wasserdicht und wird in geringen Mengen hinterlaufen. Das eingedrungene Wasser läuft auf der Schalenrückseite nach unten und braucht dort eine Fußpunktabdichtung.
Diese Abdichtung verwahrt an der tragenden Hintermauerschale und wird außen bis nahezu an die Vorderkante der Verblendschale geführt. Der obere Rand ist nicht hinterläufig, eine dauerhafte mechanische Fixierung entfällt dort. Auch das frühere Einlegen der Bahn in eine Lagerfuge ist entbehrlich, bei Dünnbettmörtel und großformatigen Elementen praktisch kaum ausführbar. Details dazu stehen im Planungshandbuch, Kapitel 5.
Bei Entwässerung unterhalb der Geländeoberkante muss der angrenzende Baugrund ausreichend versickerungsfähig sein, sonst droht kapillar aufsteigende Feuchte in der Schale. Die Bahn darf keinen Wassersack bilden, Längsstöße sollten verklebt werden. Der Schalenzwischenraum wird mit feuchteunempfindlicher Wärmedämmung ausgefüllt, um die Sockelwärmebrücke zu verringern. In jedem Fall gehört ein Gefälle vom Gebäude weg.
Beim einschaligen KS-Mauerwerk mit WDVS entfällt die Schale, das Dämmsystem bildet die Außenhaut. Auch hier ist der Sockel gesondert zu betrachten: Am Gebäudesockel ist immer ein Spritzwasserschutz erforderlich.
Schlagregen, Frost und Feuchte richtig einordnen
DIN 4108-3 teilt die Schlagregenbeanspruchung in drei Gruppen ein: I gering, II mittel, III stark. Die Einteilung folgt der Jahresniederschlagsmenge und ist regional hinterlegt. Windgeschützte oder windangeströmte Lagen und die Gebäudehöhe können eine Einzelfallbeurteilung nötig machen. Für ungeschütztes Mauerwerk müssen Steine frostwiderstandsfähig sein: KS-Vormauersteine mindestens Klasse F1 und Druckfestigkeitsklasse 10, KS-Verblender mindestens F2 und Druckfestigkeitsklasse 16. Kalksandsteine nach DIN 20000-402 erfüllen zudem die Brandverhaltensklasse A1 und gelten damit als nicht brennbar.
Der Poroton T7-49,0-P ist dagegen für monolithische Außenwände gedacht und wird durch seine Perlit-Füllung gedämmt. Sein Datenblatt nennt eine Wärmeleitfähigkeit von 0,07 W/mK und einen U-Wert von 0,14 W/m²K, ermittelt mit mindestens 2,0 cm Leichtputz plus 1,5 cm Kalkgips. Der Ziegel der Druckfestigkeitsklasse 4 ist der Rohdichteklasse 0,55 zugeordnet, wiegt rund 16,7 kg und bringt einen Rechenwert der Eigenlast von 3,19 kN/m² mit. Das bewertete Direkt-Schalldämm-Maß gibt der Hersteller mit 43,2 dB an.
Beispielrechnung (eigene Annahme, keine Produktgarantie): Für einen ersten Wandvergleich setzen Sie den U-Wert ins Verhältnis zur nutzbaren Fläche. Bei 100 m² Außenwand und 0,14 W/m²K ergibt das 14 W je Kelvin Temperaturdifferenz. Bei 0,20 W/m²K wären es 20 W je Kelvin. Das zeigt die Größenordnung, ersetzt aber keinen projektbezogenen Wärmeschutznachweis.
Für die Tragfähigkeit ist der Unterschied entscheidend. Der Poroton T7-49,0-P hat eine charakteristische Mauerwerksdruckfestigkeit fk von 1,4 MN/m², Kalksandsteine liegen je nach Klasse darüber. Das Datenblatt weist den Wert für den Poroton T7-49,0-P unter den Bedingungen der Zulassung aus.
Häufige Fragen
Welche Rolle spielt die Zulassung Z-17.21-1207 für den Poroton T7-49,0-P? Die Zulassung beschreibt ein spezifisches Ziegel-Mörtel-System, nicht alle Hochlochziegel des Herstellers. Der Dünnbettmörtel ist Teil des Systems und wird vollflächig deckelnd aufgetragen. Für abweichende Produkte oder Mörtel braucht es einen eigenen Nachweis.
Darf ich bei einer Verblendschale auf die Fußpunktabdichtung verzichten? Nein. Verblendschalen sind laut Planungshandbuch nicht wasserdicht und können hinterlaufen werden. Das Wasser muss auf der Schalenrückseite nach außen abgeleitet werden. Diese Aufgabe übernimmt die Fußpunktabdichtung an der Hintermauerschale.
Woran erkenne ich, ob ein KS-Stein für Dünnbettmörtel geeignet ist? An der deklarierten Abmaßklasse. DIN 20000-402 verlangt dafür mindestens T3, für Normalmauermörtel mindestens T1. Die Angabe steht in der Leistungserklärung, nicht im Baustellenaufmaß.
In diesem Leitfaden
- Kalksandstein oder Ziegel: Kriterien für den WandbauKalksandstein oder Ziegel: belegter Vergleich der Nachweiswege, Druckfestigkeit, Wärmeleitfähigkeit und Schalldämmwerte für die Wandplanung.
- Mauerwerk gegen Feuchtigkeit anhand der Raumnutzung planenErdberührte Wände planen: Bodenfeuchte, Sickerwasser, Stauwasser und Grundwasser unterscheiden, Abdichtungsebenen zuordnen und die passende Schutzebene wählen.
- Wie unterscheiden sich Wärmedämmverbundsystem und Verblendschale?WDVS und Verblendschale am KS-Mauerwerk: Aufbau, Befestigung, Putz und Feuchteschutz vergleichen, U-Werte für zweischalige Wände richtig einordnen.



