
Rohbau
Wie planen Sie Wärmepumpe und Lüftung im Gebäudebestand?
Wärmepumpe und Lüftung im Bestand planen: Heizflächen, Feldwerte und Lüftungskonzept prüfen und die Voraussetzungen der Abgleichpflicht richtig einordnen.
Im Bestand entscheidet nicht das Baujahr über die Wärmepumpe, sondern die Vorlauftemperatur, die Ihr Heizsystem tatsächlich braucht. Dazu kommen die Lüftungsarchitektur und, bei größeren Wohngebäuden, ein hydraulischer Abgleich, den das GModG in § 60c vorschreibt. Dieser Überblick ordnet diese vier Entscheidungen in eine Reihenfolge.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Fragen Sie zuerst nach der Vorlauftemperatur und der Dimensionierung der Heizflächen, nicht nach dem Baujahr des Hauses.
- Bei größeren Wohngebäuden ist der hydraulische Abgleich nach Einbau oder Aufstellung einer Heizungsanlage gesetzlich vorgeschrieben; welche Gebäude genau betroffen sind, regelt § 60c GModG.
- Im Feldtest von Fraunhofer ISE sank die Effizienz vor allem mit den Heizkreistemperaturen, nicht mit dem Gebäudealter.
- Bei der Lüftung entscheidet die Gerätearchitektur: raumweise Pendellüfter mit Wärmerückgewinnung oder ein zentrales Gerät mit Luftverteilung.
Entscheidung 1: Heizflächen statt Baujahr
Wärmepumpen gelten im Bestand oft als schwierig, weil alte Heizkörper hohe Vorlauftemperaturen verlangen. Der Bundesverband Wärmepumpe verweist in seinem Ratgeber "Modernisieren mit Wärmepumpe" auf einen anderen Zusammenhang: Je größer die Heizfläche dimensioniert ist, desto niedriger kann die Vorlauftemperatur ausfallen. Häufig seien vorhandene Heizkörper ausreichend dimensioniert, um mit bis zu 55 Grad Celsius Vorlauf die gewünschte Wärme abzugeben, so der Ratgeber des Bundesverbands Wärmepumpe (Stand 10-2025).
Diese 55 Grad sind ein Erfahrungswert aus der Verbandsberatung, keine physikalische Grenze. Genauso wichtig ist der Hinweis, dass Wärmepumpen der neueren Generation kurzzeitig bis 70 Grad Vorlauf erreichen können, wenn es bei sehr kalten Außentemperaturen nötig ist. Für den Planungsalltag heißt das: Der Fachbetrieb prüft raumweise, welche Wärmeübertragung möglich ist und ob ein einzelner Heizkörpertausch genügt.
Flächenheizungen wie Fußboden- oder Wandheizungen sind für den effizienten Wärmepumpenbetrieb laut Ratgeber am besten geeignet und lassen sich bei einer Renovierung nachrüsten. Prüfen Sie deshalb vor jeder Geräteentscheidung, wie viel Heizfläche je Raum verfügbar ist und welche Vorlauftemperatur daraus folgt. Das ist die erste Entscheidung, an der alle weiteren hängen.
Entscheidung 2: Was der Feldtest über reale Effizienz zeigt
Für belastbare Betriebsdaten lohnt der Blick in den Abschlussbericht des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme zum Projekt "WP-QS im Bestand". Für Außenluft-Wasser-Wärmepumpen ergibt sich danach eine Jahresarbeitszahl im Mittel von 3,4, mit einer Bandbreite von 2,6 bis 4,9. Erdreich-Wärmepumpen erreichen im Mittel 4,3 bei einer Bandbreite von 3,6 bis 5,4. Die Angaben stammen aus der zweiten Fassung vom 25.11.2025 und betreffen Wärmepumpen im Einfamilienhaus-Bestand.
Wichtiger als die Mittelwerte ist ein anderes Ergebnis: Zwischen Baualter der Gebäude und Jahresarbeitszahl ließ sich kein Zusammenhang feststellen, weil über alle Baualtersperioden ähnliche Temperaturen zur Raumheizung gemessen wurden. Ausschlaggebend sind laut Bericht die erforderlichen Betriebstemperaturen, die vor allem von Sanierungstiefe sowie Art und Auslegung des Wärmeübergabesystems abhängen. Der Bericht hält außerdem fest, dass ausreichend dimensionierte Heizkörper mit ähnlich niedrigen Temperaturen betrieben werden können wie Flächenheizungen.
Achten Sie deshalb auf zwei Betriebsgrößen. Erstens die Schalthäufigkeit: Die Auswertung zeigt 550 bis 15.800 Verdichterstarts pro Jahr, wobei etwa ein Drittel der Anlagen bei maximal 2.000 Starts lag. Sehr kurze Betriebsphasen belasten den Verdichter. Zweitens die Parametrierung: Gezielte Wartung und Einstellung verbesserten die Effizienz teils deutlich.
| Entscheidung | Auslöser | Nachweis, den Sie verlangen | Häufiger Fehlschluss |
|---|---|---|---|
| Heizflächen und Vorlauf | Wärmepumpe geplant oder bestellt | Raumweise Prüfung der Wärmeübertragung und der nötigen Vorlauftemperatur | Gute Effizienz brauche zwingend Flächenheizung |
| Effizienz im Betrieb | Anlage läuft | Jahresarbeitszahl, Schalthäufigkeit, Einstellwerte | Ein gutes Gerät arbeite unabhängig von der Hydraulik effizient |
| Lüftung | Sanierung oder dichtere Gebäudehülle | Lüftungskonzept mit Auslegung und Platzierung | Ein Gerät sei für alle Räume gleich geeignet |
| Hydraulischer Abgleich | Einbau oder Aufstellung der Heizungsanlage | Bestätigung mit Einstellwerten und raumweiser Heizlastberechnung | Der Abgleich sei reine Handwerksroutine |
Entscheidung 3: Zentrale oder dezentrale Lüftung
Nach einer energetischen Sanierung sind Wohnungen oft so dicht, dass kein ausreichender Frischluftaustausch mehr stattfindet. Als Folge kann hohe Luftfeuchtigkeit gerade in fassadengedämmten Häusern zu Schimmelbildung führen. Dezentrale Lüftungsanlagen setzen genau dort an, wo nachträglich eingebaut wird, wie die Erläuterung zu dezentralen Lüftungsanlagen zeigt.
Baulich unterscheiden sich zwei Konzepte. Permanentlüfter arbeiten kontinuierlich mit zwei Ventilatoren und eingebautem Kreuz-Gegenstromwärmetauscher. Pendellüfter dagegen arbeiten paarweise: Zwei Geräte korrespondieren über einen Regler, der die Laufrichtung der Ventilatoren nach etwa 70 Sekunden umkehrt. Die Wärme wird dabei in einem Wärmespeicher zwischengespeichert und an die Zuluft abgegeben. Als Beispiele für beide Bauarten nennt die Quelle Vitovent 200-D und Vitovent 100-D.
Für die Planung ist entscheidend, dass jedes Gerät einen eigenen Anschluss benötigt und raumbezogen arbeitet. Beim nachträglichen Einbau ist eine Kernbohrung durch die Außenwand nötig. Die Platzierung sollte oben im Raum liegen, weil sich verbrauchte Luft dort sammelt. Bei Schlafräumen können empfindliche Personen Strömungsgeräusche wahrnehmen, weshalb Auslegung und Position vorab festzulegen sind.
Ob zentral oder dezentral: Die Wahl hängt laut Quelle von baulichen Gegebenheiten, Nutzungsverhalten und Bewohnerzahl ab. Eine Kombination beider Systeme ist möglich. Lassen Sie ein Lüftungskonzept erstellen, das Zu- und Ablufträume, Gerätewahl und Positionierung zusammen betrachtet.
Entscheidung 4: Hydraulischer Abgleich und GModG § 60c
Die vierte Entscheidung ist keine freiwillige Optimierung, sondern eine gesetzliche Pflicht mit klar eingegrenzten Auslösern. Nach § 60c des Gebäudemodernisierungsgesetzes ist ein Heizungssystem mit Wasser als Wärmeträger nach dem Einbau oder der Aufstellung einer Heizungsanlage zum Zweck der Inbetriebnahme hydraulisch abzugleichen, wenn das Gebäude mindestens sechs Wohnungen oder sonstige selbständige Nutzungseinheiten hat. Ein Einfamilienhaus mit einer Nutzungseinheit fällt damit nicht unter diese Regel.
Die Gesetzesübersicht beim Bundesrecht weist zudem Änderungen mit Wirkung zum 1.1.2028 und 1.1.2030 aus, die textlich noch nicht berücksichtigt sind.
Die folgende Entscheidungshilfe ist eine redaktionelle Arbeitsliste für das Vorgespräch, kein gesetzlich vorgeschriebenes Verfahren. Nutzen Sie die Zeilen als vier getrennte Fragen, nicht als vorgegebene Reihenfolge. Jede Zeile benennt, was für Ihr Objekt bereits vorliegt, welche fachliche Prüfung fehlt und welche Entscheidung danach möglich ist.
| Frage | Vorgeschlagene Maßnahme | Schon bekannt | Noch zu prüfen | Entscheidung |
|---|---|---|---|---|
| Reichen die Heizflächen? | Heizlastberechnung und Heizkörperprüfung beauftragen | Wärmepumpe geplant oder bestellt; vorhandene Heizkörpergröße und Raumfläche | Raumweise Heizlast und mögliche Vorlauftemperatur durch Fachbetrieb | Ob Heizkörper ausreichen oder ergänzt werden müssen |
| Lassen sich Feldwerte übertragen? | Effizienzbandbreite aus dem Feldtest als Planungshilfe nutzen | Fraunhofer-Mittelwerte für den EFH-Bestand, eigener Wärmebedarf aus dem Verbrauch | Übertragbarkeit der Feldwerte auf das eigene Gebäude und System | Welche Jahresarbeitszahl realistisch als Planwert dient, ohne eine Einsparung zuzusagen |
| Welche Lüftung passt zur Sanierung? | Zentrale oder dezentrale Lüftung vorsehen | Sanierungstiefe, Gebäudehülle und Raumzuschnitt | Bauliche Voraussetzungen, Kernbohrung, Elektroanschluss und Geräuschplatzierung | Ob ein zentrales oder dezentrales Lüftungskonzept zum Gebäude passt |
| Sind die Abgleichunterlagen belastbar? | Dokumentation des hydraulischen Abgleichs anfordern | Ob das Gebäude unter § 60c fällt und wer der Verantwortliche ist | Vollständige schriftliche Bestätigung samt Einstellwerten für die Anlage | Ob die Inbetriebnahmeunterlagen für Eigentümer oder Verwalter verwertbar sind |
So bleiben die normativen Vorgaben des § 60c beim Fachbetrieb und in der Abschlussdokumentation, während Sie vor dem Auftrag nur die entscheidungsrelevanten Punkte sammeln.
Beispielrechnung: Was eine Jahresarbeitszahl für die Strommenge bedeutet
Diese Rechnung ist eine illustrative Annahme, keine Messung. Angenommen, ein Gebäude braucht 20.000 kWh Wärme im Jahr für Raumheizung und Warmwasser, und die Wärmepumpe erreicht eine Jahresarbeitszahl von 3,4. Dann ergibt sich eine Strommenge von rund 5.882 kWh (20.000 geteilt durch 3,4). Bei einer Jahresarbeitszahl von 2,6 wären es rund 7.692 kWh, bei 4,9 rund 4.082 kWh.
Die Rechnung zeigt nur die Bandbreite innerhalb der im Feldtest berichteten Werte. Sie ist kein Einsparversprechen und berücksichtigt weder Tarife noch Regelverluste noch den tatsächlichen Wärmebedarf Ihres Gebäudes.
Checkliste für das Gespräch mit dem Fachbetrieb
- Welche Vorlauftemperatur braucht jeder Raum bei Auslegungsbedingungen?
- Welche Heizflächen sind vorhanden, und welche lassen sich tauschen?
- Welche Jahresarbeitszahl und welche Schalthäufigkeit erwarten Sie für diese Anlage?
- Wie werden Zu- und Ablufträume gelüftet, und wo sitzen die Geräte?
- Fällt das Gebäude unter § 60c, und wer dokumentiert den Abgleich?
Häufige Fragen
Reichen vorhandene Heizkörper für eine Wärmepumpe? Häufig ja, wenn sie ausreichend dimensioniert sind. Der BWP-Ratgeber nennt Vorlauftemperaturen bis 55 Grad als Regelwert, der Feldtest zeigt, dass gut dimensionierte Heizkörper ähnlich niedrig betrieben werden können wie Flächenheizungen. Prüfen lassen sich beide Fälle nur raumweise.
Wie ist die Jahresarbeitszahl in der Beispielrechnung zu lesen? Die Jahresarbeitszahl beschreibt das Verhältnis von abgegebener Wärme zu eingesetztem Strom unter den Bedingungen des Feldtests. Für ein einzelnes Gebäude ist sie erst nach Messung belastbar. Die Beispielrechnung zeigt nur die Spannweite möglicher Strommengen bei gleichem Wärmebedarf, keine Einsparprognose für Ihr Haus.
In diesem Leitfaden
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