
Rohbau
Teil von Wie wählen Sie Mauersteine und den passenden Wandaufbau?
Kalksandstein oder Ziegel: Kriterien für den Wandbau
Kalksandstein oder Ziegel: belegter Vergleich der Nachweiswege, Druckfestigkeit, Wärmeleitfähigkeit und Schalldämmwerte für die Wandplanung.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Kalksandstein und der Poroton T7-49,0-P werden über unterschiedliche Nachweiswege geregelt.
- Der Ziegel erreicht laut Datenblatt 1,4 MN/m² Mauerwerksdruckfestigkeit und 0,07 W/mK Wärmeleitfähigkeit.
- Ein produktspezifisches Schalldämm-Maß liegt nur für den Poroton vor, nicht für Kalksandstein.
Zwei Nachweiswege statt einer Steinentscheidung
Die erste Frage beim Vergleich lautet nicht Ziegel oder Kalksandstein, sondern: Welcher Nachweis trägt das Bauteil? Kalksandsteine erhalten nach DIN EN 771-2 eine Leistungserklärung und das CE-Zeichen. Die Regeln für die Verwendung in Deutschland stehen dagegen in DIN 20000-402. Dort sind die zu deklarierenden Merkmale aufgeführt und für die Bemessung nach DIN EN 1996/NA klassifiziert.
Der Poroton T7-49,0-P läuft über eine andere Schiene. Für Mauerwerk aus Planhochlochziegeln mit integrierter Wärmedämmung im Dünnbettverfahren gilt die allgemeine bauaufsichtliche Zulassung Z-17.21-1207. Inhaber ist die Deutsche POROTON GmbH, die Zulassung gilt vom 27. November 2024 bis 27. November 2029.
Die Zulassung ersetzt keine Baugenehmigung. Sie regelt das Dünnbettverfahren mit gedeckelter Lagerfuge, nicht das gesamte Ziegelsortiment des Herstellers. Wer den T7 einsetzt, plant also innerhalb eines systemspezifischen Nennbereichs.
Druckfestigkeit und Rohdichte
Beim Kalksandstein ist die Druckfestigkeitsklasse Teil der Bezeichnung. Die Tafelwerte reichen von Klasse 10 mit 12,5 N/mm² mittlerer Mindestdruckfestigkeit bis Klasse 28 mit 35,0 N/mm². Voll- und Blocksteine liegen üblicherweise bei Rohdichteklassen ab 1,6, Loch- und Hohlblocksteine darunter.
Der Poroton T7-49,0-P nennt dagegen keine produzerseitige Klassenskala, sondern die charakteristische Mauerwerksdruckfestigkeit fk von 1,4 MN/m², also 1,4 N/mm², bei Rohdichteklasse 0,55. Das sind zwei verschiedene Bezugsebenen: eine Steinfestigkeitsklasse mit Tafelwerten versus eine Mauerwerkskennzahl aus einem Datenblatt.
Für die Planung heißt das: Die Zahlen sind nicht direkt nebeneinander lesbar. Wer vergleicht, muss Stein und Mauerwerk, Prüfnorm und Nachweisweg getrennt halten. Eine höhere Steinklassen-Zahl allein sagt noch nichts über das fertige Bauteil aus.
Wärmeleitfähigkeit und U-Wert
Die Wärmeleitfähigkeit ist der Punkt, an dem sich die beiden Produkte am deutlichsten unterscheiden. Kalksandstein ist ein schwerer, druckfester Baustoff, dessen Wärmedämmwirkung vor allem über die Wanddicke und die Rohdichte entsteht. Der Produzent wirbt hier nicht mit extrem kleinen Lambda-Werten.
Der Poroton T7-49,0-P erreicht laut Datenblatt 0,07 W/mK bei einer Wanddicke von 49,0 cm. Im Datenblatt ist dazu ein U-Wert von 0,14 W/m²K mit mindestens 2,0 cm Leichtputz und 1,5 cm Kalkgips angegeben. Die Zulassung bestätigt den Rechenwert mit 0,07 W/(m·K) für die Rohdichteklasse 0,50.
| Merkmal | Kalksandstein | Poroton T7-49,0-P |
|---|---|---|
| Regelwerk | DIN EN 771-2 plus DIN 20000-402 | abZ Z-17.21-1207 |
| Druckfestigkeit | Klassen 10 bis 28, Tafelwerte | fk 1,4 MN/m² |
| Wärmeleitfähigkeit | rohdichteabhängig | 0,07 W/mK |
| U-Wert | aufbauabhängig | 0,14 W/m²K mit Putzaufbau |
| Schalldämm-Maß | kein Produktwert in den Quellen | Rw 43,2 dB |
Wichtig: Der U-Wert von 0,14 W/m²K gilt genau für diesen Aufbau mit diesem Putz. Dickere oder dünnere Putzschichten verändern das Ergebnis. Wer den Aufbau ändert, braucht einen neuen Nachweis.
Feuchteverhalten und praktische Konsequenzen
Kalksandstein ist ein mineralischer Stein, der Feuchte aufnimmt und wieder abgibt. In den Planungshinweisen heißt es, dass KS-Mauerwerk grundsätzlich feuchtebeständig ist und nicht in jeder Situation eine wasserdichte Schicht braucht. Für ungeschütztes Erdreich werden allerdings KS-Vollsteine mindestens der Festigkeitsklasse 20 empfohlen, im Frostbereich frostwiderstandsfähige Steine.
Für den Poroton regelt die Zulassung, dass Außenwände stets einen Witterungsschutz erhalten müssen. Die Schutzmaßnahmen gegen Feuchtebeanspruchung sind so zu wählen, dass die Fugenbereiche dauerhaft überbrückt sind. Ein monolithischer Ziegelaufbau bleibt also nicht ohne äußere Schicht: Putz oder Verblender gehören zur Konstruktion.
Ein zweiter Punkt betrifft den Schallschutz. Für den Poroton T7 weist das Datenblatt ein bewertetes Direkt-Schalldämm-Maß Rw von 43,2 dB aus. Ein vergleichbarer Produktwert für Kalksandstein fehlt in den ausgewerteten Quellen. Bekannt ist nur der generische Zusammenhang: Je höher die flächenbezogene Masse, desto günstiger wirkt sich das auf den Schallschutz aus. Daraus lässt sich keine konkrete Wandkennzahl ableiten.
Häufige Fragen
Sind die Druckfestigkeitsangaben beider Steine direkt vergleichbar?
Nein. Beim Kalksandstein steht eine Druckfestigkeitsklasse mit zugeordneter mittlerer Mindestdruckfestigkeit. Beim Poroton T7-49,0-P nennt das Datenblatt eine charakteristische Mauerwerksdruckfestigkeit fk von 1,4 MN/m². Stein- und Mauerwerkskennwerte sind verschiedene Größen.
Welcher Wandaufbau erreicht den niedrigeren U-Wert?
Der Poroton T7-49,0-P erreicht laut Datenblatt 0,14 W/m²K bei 49,0 cm Wanddicke mit mindestens 2,0 cm Leichtputz und 1,5 cm Kalkgips. Für Kalksandstein nennt die ausgewertete Quelle keinen vergleichbaren Standardaufbauwert, weil er stark von Dämmung und Aufbau abhängt.
Kann ich die Poroton-Zulassung auf andere Ziegel übertragen?
Nein. Die Zulassung Z-17.21-1207 betrifft Mauerwerk aus Planhochlochziegeln T7 PA oder T8 PA im Dünnbettverfahren. Sie ist kein Ersatz für eine projektspezifische Planung und keine allgemeine Zulassung aller Hochlochziegel.



