Karte zum Vergleich von Handwerkerangeboten nach Fläche, Beschaffenheit und Vergütung
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Rohbau

Teil von Wie wählt man Handwerksbetriebe aus und vergibt den Auftrag?

Fünf Kriterien für den Vergleich von Handwerkerangeboten

Handwerkerangebote vergleichen: Fläche, Material und Leistungen im Vergleichsblatt prüfen, Preisgrundlage klären und offene Fragen vor der Bestellung lösen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Gleiche zuerst Fläche, Material und erfasste Restleistungen beider Angebote ab.
  • Ein Angebot ohne benannte Beschaffenheit bleibt rechtlich vage.
  • Vergütung, Kostenanschlag und Anzeigepflicht sind drei verschiedene Dinge.

Kriterium 1: Dieselbe Auftragsfläche vergleichen

Übertrage die angebotene Fläche in ein gemeinsames Vergleichsblatt. Im Beispiel unten stehen 18 Quadratmeter in Angebot A und 17 Quadratmeter in Angebot B. Kläre vor der Preisbewertung, welche Fläche tatsächlich beauftragt werden soll und warum die Mengen abweichen.

Kriterium 2: Leistungsumfang und Beschaffenheit benennen

Ein Angebot sollte erkennen lassen, welche Beschaffenheit das Werk haben soll. Nach § 633 BGB ist ein Werk frei von Sachmängeln, wenn es die vereinbarte Beschaffenheit hat. Fehlt eine Vereinbarung, kommt es auf die nach dem Vertrag vorausgesetzte Verwendung an.

Ohne diesen Bezug bleibt nur die gewöhnliche Verwendung und die bei Werken gleicher Art übliche Beschaffenheit. Vergleiche deshalb, ob beide Angebote dieselbe Fläche, dasselbe Material und denselben Fertigstellungszustand beschreiben. Zwei scheinbar gleiche Positionen können unterschiedliche Leistungen meinen.

Praktischer Hinweis: Notiere die Beschaffenheitsangaben aus jedem Angebot nebeneinander. Fehlt eine Angabe in beiden, ist der Vergleich nicht entscheidungsreif.

Kriterium 3: Vergütungsgrundlage und Kostenanschlag trennen

Eine Vergütung gilt als stillschweigend vereinbart, wenn die Herstellung des Werkes den Umständen nach nur gegen eine Vergütung zu erwarten ist. Ist die Höhe nicht bestimmt, gilt bei bestehender Taxe die taxmäßige, sonst die übliche Vergütung nach § 632 BGB. Ein Kostenanschlag ist im Zweifel nicht zu vergüten.

Diese Regelung betrifft die Vergütung des Anschlags selbst, nicht die Preisbindung. Ein Angebot mit fest bestimmtem Preis ist etwas anderes als ein Kostenanschlag, der nur die voraussichtliche Höhe nennt. Vergleiche zuerst, welche Vergütungsgrundlage vorliegt.

Halte im Vergleichsblatt fest, ob ein bestimmter Preis angeboten wird oder ein Kostenanschlag ohne Gewähr für seine Richtigkeit vorliegt. Frage bei unklarer Formulierung nach, statt die niedrigere Zahl als zugesicherte Endsumme zu behandeln.

Kriterium 4: Anzeigepflicht bei erwarteter Überschreitung

Liegt dem Vertrag ein Kostenanschlag zugrunde, für dessen Richtigkeit der Betrieb keine Gewähr übernommen hat, und ist das Werk nicht ohne wesentliche Überschreitung ausführbar, greift eine besondere Folge. Kündigt die Bestellerin aus diesem Grund, steht dem Betrieb nur der Anspruch nach § 645 Absatz 1 BGB zu. Das regelt § 649 BGB für den Fall der Kündigung wegen dieser wesentlichen Überschreitung.

Ist eine solche Überschreitung zu erwarten, muss der Betrieb dem Besteller unverzüglich Anzeige machen. Das Gesetz nennt keine feste Prozentgrenze. Ob eine Überschreitung wesentlich ist, hängt vom Einzelfall ab.

Ein Betrieb kann die Gewähr für die Richtigkeit des Anschlags übernehmen. Dann greift die Kündigungsfolge des § 649 Absatz 1 BGB nicht.

Kriterium 5: Vergleichsblatt für zwei fiktive Fliesenangebote

Ein verlässlicher Vergleich endet nicht beim Preis. Die folgende Tabelle zeigt fünf Kriterien für denselben kleinen Auftrag: 18 Quadratmeter Badezimmerboden mit vereinbarten Feinsteinzeugfliesen, Format 60 mal 60 Zentimeter, ohne Sockelleisten. Die Einträge sind redaktionelle Beispiele, keine Marktpreise.

Prüfkriterium Angebot A Angebot B
Fläche und Material 18 qm, vereinbartes Feinsteinzeug, 60 x 60 cm 17 qm, anderes Feinsteinzeug, 60 x 60 cm
Vorbereitung und Restleistungen Untergrund prüfen, alte Fliesen entfernen, Entsorgung nur Verlegung auf vorhandenen Untergrund
Vergütungsgrundlage Pauschale 4.950 Euro Kostenanschlag circa 4.600 Euro
Gewähr für den Anschlag nicht relevant nicht übernommen
Offene schriftliche Fragen Sockelleisten zusätzlich? Wer entfernt alte Fliesen?

Vor der Bestellung klärst du diese Abweichungen schriftlich. So wird sichtbar, welches Angebot die bestimmtere Grundlage bietet. Der niedrigere Betrag gewinnt nicht automatisch.

Häufige Fragen

Ersetzt ein Kostenanschlag einen Festpreis? Nein. Ein Kostenanschlag nennt die voraussichtliche Höhe, ein bestimmter Preis die vereinbarte Vergütung.

Wann ist eine Überschreitung wesentlich? Das Gesetz nennt keine feste Prozentgrenze. Die Bewertung hängt vom Einzelfall ab.

Was fehlt für eine Entscheidung zwischen den Beispielangeboten? Die Flächenabweichung, Materialwahl und Vorarbeiten müssen geklärt werden. Erst mit gleichem Leistungsumfang und ausdrücklicher Preisgrundlage lassen sich die beiden Beträge sinnvoll vergleichen.

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