Planung der Baustelleneinrichtung mit Lagerflächen, Zuwegung und Medienanschlüssen
Bild: Baugewerkewissen

Rohbau

Teil von Wie wird ein Bauablauf geplant und welche Gewerke koordiniert?

Fünf Prüfpunkte für Flächen und Versorgung auf der Baustelle

Baustelleneinrichtung planen: Grobkonzept, Lagerflächen, Zuwegung, Medienübergabepunkte und Fortschreibung des BE-Plans in fünf Prüfpunkten.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Die Baustelleneinrichtung wird vor der Ausschreibung vom Bauherrn mit Planern und SiGe-Koordination grundlegend durchdacht.
  • Lager, Zufahrt und Übergabepunkte hängen vom tatsächlichen Bauablauf ab, nicht nur von der Grundstücksgröße.
  • Der Baustelleneinrichtungsplan wird nach Baubeginn bei Änderungen fortgeschrieben und nicht einmalig abgelegt.

1. Grobkonzept und Bauablauf vor der Ausschreibung

Phase 1 der Planung reicht bis zur Auftragsvergabe. Verantwortlich ist die Bauherrin oder der Bauherr. In dieser Phase entsteht ein Grobkonzept mit grundsätzlichem Bauablauf, vorgeschlagenem Bauverfahren und Einsatz von Großgeräten unter Beachtung der örtlichen Gegebenheiten. Zusätzlich wird festgelegt, welche Unternehmen wann und in welchem Gewerk Leistungen der Baustelleneinrichtung und Baustellenlogistik ausführen, selbst nutzen oder anderen überlassen. Das ist die Grundlage, um die Ausschreibungsunterlagen zu bestimmen. Werden diese Festlegungen erst nach der Vergabe getroffen, entsteht ein Nachtragsrisiko.

2. Lagerflächen und Zugriff des Krans

Lagerflächen sollten dort liegen, wo sie tatsächlich erreicht werden. Im Praxisbeispiel der BG BAU grenzt eine Lagerfläche unmittelbar an die Nebenstraße und dient vorrangig dem Fördern von Schalungselementen und Bewehrungsmatten. Eine zweite, deutlich kleinere Fläche am südöstlichen Rand nimmt fast ausschließlich vormontierte, gereinigte Schalungselemente und Einbauteile auf. Für die Planung folgt daraus: Zuerst den Materialfluss und den vorgesehenen Kranbereich festlegen, danach die Fläche zuweisen. Eine rein flächenbezogene Planung übersieht diese Abhängigkeit.

3. Zuwegung, Anlieferung und Parkzone

Die Baustraße im Beispiel ist aus Betonrecyclingmaterial hergestellt und für Betonpumpen bei Deckenbetonagen sowie Betonmischfahrzeuge ausgelegt. Eine Betonübergabefläche vor dem Kran ist örtlich versetzbar. In der Praxis empfiehlt die BG BAU zudem eine separate Parkzone für Anlieferfahrzeuge wie Lkw in unmittelbarer Nähe zur Baustelle, um Stau im Kreuzungsbereich und Gefahren für den Straßenverkehr zu vermeiden. Diese Empfehlung stammt aus dem Beispiel, ist also keine allgemeine Vorgabe für jedes Grundstück.

4. Übergabepunkte für Wasser, Abwasser, Strom und Telefon

An der Einfahrt zum Baufeld stehen im Beispiel Container für Polier und Bauleitung sowie für Pausen, Umkleiden, Sanitäranlagen und Magazine. Ebenfalls an dieser Stelle liegen die Übergabepunkte für Wasser, Abwasser, Strom und Telefon. Diese Bündelung erlaubt einen problemlosen Anschluss und gibt der Bauleitung den Überblick über ankommende und abfahrende Fahrzeuge. Für die eigene Planung: Die Medienanschlüsse vorab mit dem Versorgungsträger klären und räumlich mit der Containerstellung abstimmen, statt sie nachträglich zu suchen.

5. Baustelleneinrichtungsplan dokumentieren und fortschreiben

Die Ergebnisse der Planung sind entsprechend Größe und Komplexität des Bauvorhabens zu dokumentieren. Zentrales Instrument ist der Baustelleneinrichtungsplan, ergänzbar durch Personal- und Geräteeinsatzpläne, Ausrüstungs- und Gerätelisten, Bauablaufpläne sowie Arbeitsanweisungen. Nach Baubeginn wird er bei Änderungen von Bauverfahren, Bauabläufen, Bauzeiten und Leistungsumfängen bis zum Abschluss fortgeschrieben. Werden Beschäftigte mehrerer Arbeitgeber tätig, ist nach § 3 Absatz 1 BaustellV ein geeigneter Koordinator zu bestellen. Bauherr oder beauftragter Dritter können diese Aufgabe selbst übernehmen, die Bestellung entbindet sie aber nicht von ihrer Verantwortung.

Fünf Prüfpunkte als Checkliste

Prüfpunkt Leitfrage Nachweis
Nutzbare Fläche Wo liegt welches Material, welches Gerät? BE-Plan
Zufahrt Passt die Baustraße zu den größten Fahrzeugen? Plan mit Fahrspuren
Lagerung Hat der Kran tatsächlich Zugriff? Flächenzuordnung
Medienanschlüsse Wo liegen Wasser, Abwasser, Strom, Telefon? Abstimmung Versorger
Koordination Wer führt welches Gewerk wann aus? Leistungsverzeichnis

Die Liste dient als Beispiel für eine eigene Prüfung. Maße und Abstände ergeben sich aus dem jeweiligen Bauvorhaben.

Häufige Fragen

Wer entwickelt das Grobkonzept der Baustelleneinrichtung?

Nach der BG BAU Praxisinformation ist dafür die Bauherrin oder der Bauherr verantwortlich. Sie oder er muss das Konzept vor der Ausschreibung der Bauleistungen mit Planern und der SiGe-Koordination durchdenken, damit es in Leistungsbeschreibung und Ausschreibung einfließen kann.

Wann wird ein Koordinator nach BaustellV bestellt?

Nach § 3 Absatz 1 BaustellV für Baustellen, auf denen Beschäftigte mehrerer Arbeitgeber tätig werden. Der nach § 4 Verantwortliche bestellt einen oder mehrere geeignete Koordinatoren. Der Bauherr oder ein beauftragter Dritter kann die Aufgaben selbst wahrnehmen, wodurch die Verantwortung nicht entfällt.

Was tun, wenn sich der Bauablauf ändert?

Dann wird der Baustelleneinrichtungsplan in Phase 3 nach Baubeginn fortgeschrieben. Typische Anlässe sind Änderungen von Bauverfahren, Bauabläufen, Bauzeiten und Leistungsumfängen.

Wie detailliert der Plan sein muss, hängt von Größe und Komplexität ab. Ein fünfstöckiger Erweiterungsbau mit Kellergeschoss direkt neben einem bestehenden Laborgebäude verlangt eine andere Tiefe als ein einfacher Neubau. Wer die fünf Prüfpunkte vor der Ausschreibung durchgeht, erkennt Lücken früh.

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