
Rohbau
Teil von Innenausbau planen: Nachweise für Wand, Estrich und Holzboden
Welche Punkte entscheiden beim Schallschutz einer Trockenbauwand?
Schallschutz im Ausbau: Diese Punkte entscheiden neben dem Wandaufbau über das erreichbare Schalldämm-Maß, von Flankenübertragung bis Elektrodosen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Das bewertete Schalldämm-Maß Rw gilt laut W11-Datenblatt, Ausgabe 08/2026, ohne Schallübertragung über flankierende Bauteile.
- Undichtigkeiten, gleitende Anschlüsse, Dosen und Durchführungen können das erreichbare Maß senken.
- Mineralwolle nach EN 13162 mit definiertem Strömungswiderstand ist gefordert.
Flankenübertragung, Dichtheit und Anschlüsse
Das Knauf-System-Datenblatt W11 in der Ausgabe 08/2026 gibt das bewertete Schalldämm-Maß Rw ausdrücklich ohne Schallübertragung über flankierende Bauteile an. Der Planwert beschreibt also die Wand selbst, nicht automatisch die fertige Trennfläche zwischen zwei Räumen. Wer nur den Wandaufbau betrachtet, kann deshalb ein Ergebnis erwarten, das die Konstruktion allein nicht liefert.
Bei gleitenden Deckenanschlüssen nennt die Knauf-Schallschutzseite typische Schwachstellen: Undichtigkeiten zwischen Plattenstreifen und Rohdecke, an den Stößen der Plattenstreifen sowie zwischen Beplankungslagen und Plattenstreifen mindern das erreichbare Maß erheblich. Das Datenblatt verlangt bei gleitenden Anschlüssen eine Abdichtung mit dauerelastischem Material. Kabel- und Rohrdurchführungen sind luftdicht anzuschließen.
Für die Ausführung heißt das: Anschlüsse an flankierende Bauteile sollten hinterlegt und abgedichtet werden. Nach Angabe der Schallschutzseite sind dabei die Vorgaben der DIN 4109-33:2016-07, Abschnitt 4.1.1.3, maßgeblich. Die Seite empfiehlt zudem, Profile rückseitig mit geeignetem Dichtungsmaterial zu hinterlegen und bei unebenen Anschlussbauteilen vorzugsweise Trennwandkitt zu verwenden.
Dämmstoff, Ständerabstand und UA-Profile
Die Dämmschicht muss nach dem Datenblatt aus Mineralwolle nach EN 13162 bestehen, mit einem längenbezogenen Strömungswiderstand zwischen 5 und 50 kPa·s/m2 nach DIN 4109-33. Auch der Ständerachsabstand ist keine Nebensache: Eine Abweichung vom Rastermaß 625 mm kann das Schalldämm-Maß beeinflussen. Beide Angaben gehören in die Ausschreibung, nicht nur die Plattenlage.
Ein weiterer Punkt betrifft die Unterkonstruktion. Werden CW-Profile durch UA-Profile ersetzt, wie es bei den Einfachständerwandsystemen W111 und W112 etwa wegen mechanischer Belastbarkeit oder größerer Wandhöhen nötig sein kann, reduziert sich nach Angabe der Schallschutzseite das Luftschalldämm-Maß mit zunehmender Anzahl dieser Profile. Statik und Schallschutz können also in dieselbe Entscheidung hineinwirken.
Die folgende Übersicht ordnet die Prüfpunkte den jeweiligen Belegstellen zu. Sie ersetzt keine projektbezogene Berechnung.
| Punkt | Anforderung oder Hinweis | Quelle |
|---|---|---|
| Rw-Wert | ohne Schallübertragung über flankierende Bauteile | W11-Datenblatt |
| Dämmschicht | Mineralwolle EN 13162, 5 bis 50 kPa·s/m2 nach DIN 4109-33 | W11-Datenblatt |
| Ständerachsabstand | Abweichung von 625 mm kann das Maß beeinflussen | W11-Datenblatt |
| Gleitender Deckenanschluss | dauerelastisch abdichten, Undichtigkeiten vermeiden | W11-Datenblatt, Schallschutzseite |
| Kabel- und Rohrdurchführung | luftdicht anschließen | Schallschutzseite |
Elektrodosen und Durchführungen
Das Datenblatt behandelt Elektrodosen getrennt. Bei Wänden mit einem Schalldämm-Maß Rw bis 60 dB sollen Dosen je Wandfeld nicht gegenüberliegend eingebaut und verbleibende Fehlstellen nach dem Einbau verschlossen werden. Starre Verbindungen mit der gegenüberliegenden Beplankung sind zu vermeiden. Für Wände ab Rw 60 dB oder gegenüberliegende Dosen verweist das Datenblatt auf die technische Broschüre SS04.de.
Für das Doppelständerwerk W115V.de beziffert das Datenblatt pauschale Abzüge, die aus einer nachgebildeten Einbausituation stammen: einseitiger Einbau handelsüblicher Steckdosen und Schalter 1 dB, beidseitiger gegenüberliegender Einbau 2 dB. Diese Werte gelten für die beschriebene Konstellation, nicht als allgemeiner Abzug für jede Wand. Die Schallschutzseite empfiehlt zusätzlich, Steckdosen möglichst versetzt statt gegenüberliegend zu platzieren.
Als Beispielrechnung: Wer für W115V.de ein Rw von 62 dB ansetzt und beidseitig gegenüberliegende Dosen einplant, landet nach dem pauschalen Abzug von 2 dB rechnerisch bei 60 dB. Das ist eine illustrative Rechnung mit angenommenen Ausgangswerten, keine Messung und kein Nachweis.
Häufige Fragen
Gilt der Rw-Wert aus dem Datenblatt für die fertige Wand zwischen zwei Wohnungen? Nein, er gilt ausdrücklich ohne Schallübertragung über flankierende Bauteile. Die Flankensituation ist gesondert zu betrachten.
Muss ich Elektrodosen immer versetzt setzen? Das Datenblatt verlangt dies bei Wänden bis Rw 60 dB je Wandfeld. Für höhere Anforderungen verweist es auf eine gesonderte Broschüre.
Senken Kabel- und Rohrdurchführungen den Schallschutz? Die Schallschutzseite nennt eine erhebliche Verschlechterung bei nicht verschlossenen Öffnungen. Deshalb ist ein luftdichter Anschluss vorgesehen.



